Kritik | “Die Vermessung der Welt” (3D)

Veröffentlicht am Dienstag, 06. November 2012. Geschrieben von .

Der Roman „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann ist 2005 vollkommen überraschend zu einem Bestseller avanciert. Naturwissenschaften und Mathematik müssen keineswegs langweilig sein, schien er förmlich zu schreien. In mehr als 40 Sprachen. Und er wurde erhört. Unlängst erst von Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Detlev Buck („Männerpension“, „Rubbel die Katz“), der sich eifrig daran gemacht hat, das Porträt zweier ungestümer Helden für die große Leinwand nachzuzeichnen. An Bildern und Farben hat es ihm bei einem Budget von mehr als 10 Millionen Euro nicht gemangelt, dafür leider etwas an literarischer Raffinesse, denn an die Buchvorlage kommt die 3D-Verfilmung nicht ganz heran.

Kurzinhalt

Carl Friedrich Gauß (Lennart Hänsel/später Florian David Fitz) und Alexander von Humboldt (Aaron Denkel/später Albrecht Abraham Schuch) begegnen sich schon als Kinder zum ersten Mal. Das Aufeinandertreffen zweiter Welten. Währen von Humboldt aus gutem Hause stammt, sogar adlig ist, kommt Gauß aus armen Verhältnissen. Was beiden aber gemein ist, ist die Leidenschaft. Bei von Humboldt für die Naturwissenschaft, bei Gauß für die Mathematik. Beide wollen hinaus in die Welt und sind doch gefangen. Der eine in einem ‚goldenen Käfig‘, der andere in der Armut. Dennoch erfüllen sich ihre Träume viele Jahre später und beide entdecken den Globus auf ihre Weise. Immer unwissend miteinander verbunden, bis sich ihre Wege in Berlin wieder kreuzen.

Kritik

Mathematiker und Naturwissenschaftler haben nicht gerade den Ruf, besonders aufregende Menschen zu sein. Meist leben sie ein wenig in ihrer eigenen Welt, vertiefen sich in Formeln, Zahlen und Gesetze. Sie sind allerdings nicht nur hochintelligent, sondern auch feinfühlig. Sie bekommen mehr von ihrer Umwelt mit, als mancher vielleicht glaubt. Dennoch: Wie stellt man zwei eigentlich vollkommen unterschiedliche Männer dar, die nicht nur in der deutschen Geschichte eine große Rolle gespielt haben?

Detlev Buck beantwortet diese Frage mit einem gewissen Witz und zwei Hauptdarstellern, die – wie auch ihre Figuren – gegensätzlich sind: Florian David Fitz als unterhaltsamer, pointierter Mathematiker Gauß und Albrecht Abraham Schuch als etwas steiferer Naturwissenschaftler. Eingebettet in beeindruckende Bilder, die zum Teil in Ecuador entstanden sind und aufwendig in 3D gedreht wurden, spiegeln sie ein Stück Historie wieder. Und erreichen doch nicht die Brillanz der Buchvorlage (obwohl selbst diese umstritten ist und nicht jedem zusagt).

Woran das liegt, lässt sich gar nicht wirklich sagen. Es ist wohl das ewige Krux der Romanverfilmungen. Die Fantasie des Lesers überlagert sich mit der eines anderen. Nämlich der des Regisseurs. Und obwohl Autor Daniel Kehlmann sogar am Drehbuch beteiligt war, fehlt dem Abenteuer „Die Vermessung der Welt“ ein bisschen der Charme. Und das Knackige. Vieles zieht sich, nicht alle Szenen machen Sinn. Dennoch weiß der Streifen zu unterhalten, präsentiert sich mit beeindruckenden Aufnahmen (die 3D-Effekte können sich wirklich sehen lassen), einer namhaften Darstellerriege und zeigt, dass deutsches Kino sich eigentlich nicht hinter Hollywood verstecken muss. Eigentlich.


Kinostart: 25.10.2012

Originaltitel: Die Vermessung der Welt

Darsteller: Florian David Fitz, Albrecht Abraham Schuch, Vicky Krieps

Regie: Detlev Buck

Dieser Artikel wurde am Dienstag, 06. November 2012 um 10:47 erstellt, und verzeichnet unter 3D Filme 2012, 3D Filme Aktuell im Kino.

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